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Wurmkur-Plan für Pferde: erst die Kotprobe, dann die Wurmkur

Wurmkur-Plan für Pferde: erst die Kotprobe, dann die Wurmkur

Jahrzehntelang galt eine einfache Regel: jedes Pferd alle paar Monate entwurmen und die Präparate wechseln. Genau dieser Plan hat Würmer herangezüchtet, gegen die kein Mittel mehr hilft. Für Pferde gibt es vier Wirkstoffklassen, seit über vierzig Jahren ist keine neue dazugekommen, und gegen alle vier sind Resistenzen nachgewiesen (Nielsen et al., 2025).

Ein guter Wurmkur-Plan richtet sich deshalb nicht mehr nach dem Kalender, sondern nach Messwerten. Hier finden Sie den Ablauf, den die großen Leitlinien (AAEP in den USA, ESCCAP in Europa) heute empfehlen, und danach die Gründe, warum er funktioniert.

Der Wurmkur-Plan auf einen Blick

SchrittWannWas Sie tun
1. KotprobeBevor Sie entwurmenLassen Sie für jedes Pferd die Eizahl bestimmen (EpG, Eier pro Gramm Kot).
2. EinstufenSobald das Ergebnis da istNiedriger, mittlerer oder hoher Ausscheider (siehe Tabelle unten).
3. Gezielt entwurmenNach dem ErgebnisBehandeln Sie die Pferde über 200 EpG. Niedrige Ausscheider bleiben unbehandelt.
4. Wirkt das Mittel noch?14 Tage nach der BehandlungNeue Kotprobe bei einer Gruppe behandelter Pferde und Vergleich mit der ersten (Eizahlreduktionstest, FECRT).
5. Große StrongylidenJedes Jahr, wenn Sie selektiv entwurmenUntersuchung auf Strongylus vulgaris, wie von ESCCAP empfohlen.
Fohlen und JungpferdeImmer gesondertKeine selektive Entwurmung nach Eizahl. Legen Sie mit Ihrem Tierarzt einen Plan fest.

Wie oft Sie die Schritte 1 bis 4 wiederholen, hängt von Ihrem Stall, Ihren Weiden und Ihren Pferden ab. Legen Sie diesen Rhythmus mit Ihrem Tierarzt fest.

So lesen Sie das Ergebnis

Ergebnis (EpG)EinstufungWas das in der Regel bedeutet
Unter 200Niedriger AusscheiderLaut Kotprobe keine Behandlung nötig.
200 bis 500Mittlerer AusscheiderKommt für eine Behandlung infrage.
Über 500Hoher AusscheiderKommt für eine Behandlung infrage. Diese Pferde belasten die Weide am stärksten.

Quelle der Grenzwerte: AAEP (2024).

Die Eizahl zeigt, wie viele Eier ein Pferd ausscheidet, nicht wie viele Würmer es in sich trägt. Sie ist auch kein Diagnoseinstrument für ein krankes Pferd (AAEP, 2024). Betrachten Sie sie als Messgerät für die Weidebelastung, nicht als Gesundheitsbefund.

Warum nicht einfach alle Pferde entwurmen?

Zwei Tatsachen über Strongyliden machen den alten Kalenderplan schädlich.

Die Ausscheidung ist ungleich verteilt. In einer Pferdegruppe scheiden etwa 20 % der Pferde rund 80 % der Eier aus (Kaplan und Nielsen, 2010). Wenige Pferde verursachen den Großteil der Weidebelastung.

80/20-Regel 20 % der Pferde scheiden 80 % der Eier aus

Dieses Muster ist stabil. Ein Pferd, das wenig ausscheidet, tut das meist über Jahre, und ein hoher Ausscheider bleibt meist hoch (Nielsen et al., 2006). Wenn Sie es einmal gemessen haben, kennen Sie den Status Ihres Pferdes.

Wer jedes Pferd nach Kalender entwurmt, behandelt also Pferde, die nie das Problem waren. Jede unnötige Dosis gibt den überlebenden Würmern eine weitere Chance, Resistenzen zu entwickeln. Sie zahlen mit Geld und mit der Wirksamkeit des Mittels dafür, dass die Lage schlechter wird.

Gezieltes Entwurmen ist erstaunlich effizient. Wenn Sie nur Pferde über 200 EpG behandeln, entwurmen Sie etwa die Hälfte der Pferde und entfernen trotzdem rund 95 % aller ausgeschiedenen Eier (Kaplan und Nielsen, 2010). Die unbehandelten Würmer bleiben empfindlich gegenüber den Mitteln und bremsen so die Resistenzbildung.

Schritt 4 wird am häufigsten übersprungen

Der Eizahlreduktionstest vergleicht die Eizahlen einer Pferdegruppe vor der Behandlung und 14 Tage danach (Kaplan et al., 2023). So wissen Sie, ob das Mittel in Ihrem Stall noch wirkt. Resistenzen sehen Sie nicht, solange Sie sie nicht messen.

Die Warnzeichen sind schon da. Nach einer Ivermectin-Gabe dauerte es in den 1990er-Jahren acht bis zehn Wochen, bis wieder Eier auftauchten. Heute sind es vier bis fünf Wochen. Bei Moxidectin ist diese Zeit von zwölf bis sechzehn Wochen auf ebenfalls vier bis fünf Wochen gesunken (Nielsen, 2022).

Die Ausnahmen

  • Fohlen und Jungpferde. Für sie wird die selektive Entwurmung nach Eizahl nicht empfohlen. Ihr Parasitenbild ändert sich zu schnell, und Spulwürmer sind ein echtes Risiko (AAEP, 2024).
  • Große Strongyliden. In Regionen mit strengen Vorgaben für den Einsatz von Wurmmitteln ist der gefährliche Strongylus vulgaris zurückgekehrt. Deshalb empfiehlt ESCCAP eine jährliche Untersuchung in Betrieben, die selektiv entwurmen (Nielsen et al., 2025). Weniger behandeln heißt nicht, gar nicht mehr zu testen.

Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt

Dieser Artikel fasst die Leitlinien zusammen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Welches Mittel, welche Dosis, wie oft Sie testen und was Sie bei Fohlen tun, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Tierarzt, der Ihre Pferde und Ihren Stall kennt.

Den Plan in Equihub festhalten

Selektives Entwurmen bedeutet mehr Organisation als eine Wurmkur für alle: Welche Pferde wurden getestet, mit welchem Ergebnis, welche wurden behandelt, und wann ist die Kontrolle nach 14 Tagen fällig? In Equihub planen Sie Wurmkuren und andere Gesundheitsaufgaben für jedes Pferd, mit Erinnerungen, und dokumentieren alles im digitalen Gesundheitsbuch des Pferdes. Die Kotprobe selbst bleibt Aufgabe Ihres Tierarztes oder Labors. Zum Gesundheitsmodul.


Quellen

  • AAEP (2024). Internal Parasite Control Guidelines. American Association of Equine Practitioners. aaep.org
  • ESCCAP. Guideline 08: A Guide to the Treatment and Control of Equine Gastrointestinal Parasite Infections. esccap.org/guidelines/gl8
  • Kaplan, R.M. und Nielsen, M.K. (2010). An evidence based approach to equine parasite control: it ain't the 60s anymore. Equine Veterinary Education 22, 306–316.
  • Kaplan, R.M. et al. (2023). WAAVP guidelines for diagnosing anthelmintic resistance using the faecal egg count reduction test in ruminants, horses and swine. Veterinary Parasitology 318, 109936. Online-Rechner: fecrt.com
  • Nielsen, M.K. (2022). Parasite faecal egg counts in equine veterinary practice. Equine Veterinary Education 34, 584–591.
  • Nielsen, M.K. et al. (2025). Global equine parasite control guidelines: Consensus or confusion? International Journal for Parasitology: Drugs and Drug Resistance 28, 100600.

Dieser Artikel ist eine angepasste Fassung unseres englischen Beitrags How Deworming Quietly Stopped Working.

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